Alb-Traum

Von Andreas Zeller

Nach Ausflügen in den Schwarzwald, das Elsass und der Pfalz kam dieses Jahr die Region “Schwäbische Alb” ins Visier der 2Tages-MTB-Tourenplaner des VCR. Die Alb ist ein langgezogenes Mittelgebirge das sich ungefähr von der Donauquelle bis zur bayrisch-württembergischen Grenze bei Ulm erstreckt. Der - sehr einfallsreich - Albsteig-Hauptweg 1 (HW1) genannte Trail führt grösstenteils an der Abbruchkante der Albhochebene entlang und bietet unzählige schöne Aussichten auf die Gegend um Tübingen und die bekannte Burg Hohenzollern, aber auch schwindelerregende Blicke den sogenannten “Albtrauf” hinunter.

Die besondere Herausforderung für unsere erfahrenen Tourenplaner Patrick und Rainer bestand dieses Jahr in der Logistik, denn wir wollten nicht wie in den Jahren zuvor eine Rundstrecke fahren, sondern mit dem Zug an den Startort kommen und vom Zielort wieder mit den Autos zurück nach Riehen. Nicht trivial, aber schlussendlich war klar: Autos am Freitag Abend in der Waagenstadt Balingen parken, mit dem Zug nach Reutlingen, dort erste Uebernachtung. Am nächsten Tag mit dem Bummelbähnchen nach Neuffen und dann mit den Bikes die 60km / 2000 Höhenmeter in Angriff nehmen. Die erste Etappe sollte am Rossberghaus enden, dessen Wirt mehrfach “gedroht” hatte: warme Küche nur bis 19h! Für Sonntag waren heftige 85 km / 2500 hm auf dem Programm mit Ende in Balingen.

Leider fielen Patrick und Svenja kurz vor Start mit gesundheitlichen Problemen aus, während Mauro und Marco der Terminkalender einen Strich durch die Rechnung machte. Freitagabends wurde die zweite Aufgabe (kulinarische Exkursion) angegangen: ja, Zwiebelrostbraten, Kässpätzle und Maultaschen aus der schwäbischen Küche wurden für “gut” befunden. Samstags kurbelten also Andreas, Rainer, Kai, Jonas, zeitweise Svenja und Andi durch den nebligen Morgen um das erste Highlight, die Burg Hohenneuffen abzuhaken. Nach einem kurzen Rutschtest (feuchter Kalkstein und nasse Wurzeln sind tatsächlich glitschig...) und einer angenehmen Abfahrt konnte ein zweites Frühstück in der Fachwerkstadt Bad Urach nicht schaden. Wiederholt wurden wir von gutgelaunten Locals auf unsere Trikots (VC Riehen) bzw. Velos angesprochen. Svenjas Rückenprobleme wurden zu stark und sie fährt auf der Strasse zurück. Der Rest gab sich Mühe, im Magen wieder Platz für weitere Köstlichkeiten zu schaffen und kurbelte buchstäblich über Stock und Stein weiter bis zum Schloss Lichtenstein. Erstaunlich, wie anstrengend die Fahrerei über die Wurzeln ist: trotz des ebenen Höhenprofils muss man ständig treten wie an einer 10%igen Asphaltsteigung.

Bei der verspäteten Mittagsrast waren die Augen mal wieder grösser als der Appetit und einige Teilnehmer hatten Mühe, die Riesenportion Kasspätzle zu vernichten… Ob wir wohl wieder Platz im Magen schaffen können bis um spätestens (sic!) 19h das Nachtessen serviert wird? Der geneigte Leser mag es ahnen: JA, logisch! Besonders der letzte Bergsprint zum Rossberghaus hat nochmal alle Energiereserven geleert und nach einer erfrischenden Dusche hiess es “En Gueta”. Dass man koffeinhaltige Heissgetränke auch nach dem ABENDessen zu sich nehmen kann, hatte sich allerdings bis in diese abgelegene Ecke der Welt noch nicht herumgesprochen, so dass Mauro einen mittelgrossen Aufstand erzeugen musste um zu seinem Espresso zu kommen. Der Abend war gerettet und mit Turm-Sicht auf einen wunderschönen Sonnenuntergang gingen wir früh in unseren einfach gehaltenen Betten.

Um eine realistische Chance auf die vollen 85km zu haben, gings am Sonntagmorgen nüchtern (!) um 7h los, Svenja organisierte ein Z’nüni am vereinbarten Treffpunkt Talheim - dem einzigen Dorf in der Gegend dass nicht auf “-ingen” endet. Nach ein paar knackigen Schiebepassagen und einer genialen Abfahrt ins Killertal (heisst wirklich so…) war der Koffeinspiegel bis Jungingen wieder auf ein bedenkliches Niveau gesunken. Eine Katastrophe bahnte sich an: keine der drei Gaststätten war um diese Zeit geöffnet! Doch nach ein bisschen Betteln in der Sprache der Eingeborenen (die Welt ist klein...) konnten wir den Adlerwirt überzeugen, uns mit Getränken zu versorgen. So geht wahre Gastfreundschaft!

Gefühlte 4000 Höhenmeter später mussten wir feststellen, dass die angepeilte Wirtschaft am Raichberg zwecks Ferien geschlossen hatte - zum Glück bot sich der nahegelegene Zollersteighof als Alternative an. Frisch gestärkt konnten wir weitere Trails unter die Stollen nehmen. Probleme mit Spaziergängern oder Wanderern waren übrigens durchgängig Fehlanzeige: gegenseitige Rücksichtnahme und ein freundliches “Grüss Gott” und “Dankeschön” machen die bürokratische 2-Meter-Regelung überflüssig.

Beim Traktor-Treff in Burgfelden konnten wir noch ein paar schöne Oldtimer sehen (die aber leider noch keine Russfilter hatten) bevor sich die Gruppe im Eyachtal aufspaltete weil ein paar Teilnehmer früh wieder in Riehen sein mussten. Für die verbliebenen 3 Radler bot der Lochentrail einen krönenden Abschluss des VCR-Wochenendes.