Berner Rundfahrt 2015

Von Ben Klenk

Siggi: Mit etwas gemischten Gefühlen bin ich am Samstag an den Start gegangen. Hatte ich doch seit etwa 4 Wochen nicht mehr richtig trainiert, dann gleich die grosse Runde…

Ben: Ist es jetzt eine Grippe, oder doch ne Allergie? Extra die ganze Woche nicht aufs Velo, aus Angst in Bern nicht starten zu können — Mist; zu wenig gefrühstückt habe ich auch noch…

Gabriel: Die ganze Woche auf dem Rad gewesen und dabei habe ich immer wieder leichte Krämpfe gehabt. Vielleicht war das zu viel. Nochmal zur Sicherheit eine Magnesiumtablette und die große Schale Nudeln sollten die nötige Kraft geben.

Ben: Erster Kampf des Tages; Startplatzsicherung… Velo über die Absperrung; Sprung hinterher; Wortgefechte mit den Streckenposten und da war er: der Startplatz hinter Tony Rominger!

Siggi: Nach dem Start ging es wie erwartet mit vollem Schub in Richtung Frienisberg, mit dem üblichen Positionsgerangel, was aber soweit ich sehen konnte alles sturzfrei ablief. Beim Aufstieg spürte ich dann gleich, wenn ich mit dem Tempo mitgehe, explodiere ich vor dem Bergpreis, also Tempo rausnehmen und den eigenen Rhythmus finden. Dies gelang dann auch.

Ben: Feuer frei! Ab ging die Post — erste Kurve links und schon waren wir wie die Perlen aufgereiht. In den ersten Metern des Frienisbergs war mir gleich klar — Puls 190 — das ist nicht mein Tempo… Romingers übrigens auch nicht ;-)

Gabriel: Heute muss was gehen! Gleich mal nach vorne (wo ist Tony?) orientieren. Ich frage mich nur, wie man innerhalb eines halben Kilometer eine Lücke zur Spitze reißen lassen kann… Also Nachführen und dann dranbleiben.

Siggi: Nach der Abfahrt bildete sich eine etwa 30 Fahrer starke Gruppe, die sich mit jedem Anstieg verkleinerte. Die Gruppe harmonierte relativ gut, so dass das Rennvelofahren richtig Spass machte. Da ich wusste, dass ich das Tempo in der Gruppe mitfahren kann beteiligte intensiver an der Führungsarbeit, im Sinne eines ersten intensiven Trainings.

Ben: Am Bergpreis angekommen, hatte ich leider bereits 3 Minuten auf die Spitze. Das Verfolgerfeld vor Augen, motiviert durch den gelben Helm von Gabriel — ich kann die Lücke nicht schließen. Keine Hilfe in Sicht…

Gabriel: Das Tempo der Spitze kann ich nicht mitgehen. Zweistellige Anstiegsprozente und knapp 20 km/h sind mir deutlich zu viel. 50 Sek. auf die Spitze am Berg verloren. Wenns so bleibt, kann man mit einer gut zusammenarbeitenden Gruppe vielleicht aufschließen?

Ben: Schnell vom Berg erholt musste ich leider in den ersten Kilometern feststellen, dass meine Gruppe keine Ambitionen hat die Lücke zur Verfolgergruppe zu schließen — schade, ich könnte noch eine Schippe drauflegen, aber allein… Erste Runde Gruppensprint gewonnen; immerhin kam so kein Grupettofeeling auf ;-)

Gabriel: Die Gruppe hat sich gefunden. 25 Mann hängen fünf engagierten Fahrern (inklusive mir) auf dem Sattel und lassen sich ziehen. Auch die wütenden Aufforderungen der Führenden („jetzt chömmet! Zirkle, zirkle, zämme schaffe!!!“) hilft nichts. Man sieht die Führenden in der Ferne verschwinden.

Siggi: In der dritten und letzten Runde fuhren wir dann mit ca. 15 Fahrer auf die Zielgerade ein. Im Sprint fuhr ich noch als dritter über die Ziellinie auf Rang 112 in der Gesamtwertung und Rang 10 in meiner Kategorie.

Gabriel: Nach dem Berg nochmals ausgemerzt, schießt eine gut 20 Mann starke Gruppe gegen das Ziel. Schon etliche Kilometer vor dem Ziel fängt die Taktiererei an. Zwei versuchen nach vorne auszureißen. Es wird nachgesetzt. Mittlerweile stehen knapp 50 km/h auf dem Tacho in der Ebene.

Ben: voller Vorfreude auf den Schlusssprint (Gabriel und ich fahren „nur“ 2 Runden)
Erwischt mich 1500m vor dem Ziel in beiden Oberschenkeln ein Krampf- fluchend lasse ich die Gruppe ziehen. Platz 64 / 22. Alterswertung / Zeit: 1:51:52

Gabriel: Die letzte Kurve in voller Fahrt überstanden und sich ein Hinterrad ausgesucht. Der Zielsprint wird angezogen. 100m vor dem Ziel trete ich an. Die Beine spüre ich nicht mehr und der Puls schießt durch die Decke. Mit voller Fahrt schieße ich ins Ziel. Erste Frage: Wo ist Tony? Leider auf der Strecke vor mir (nicht mal 3 min verloren), am Tisch aber dafür neben mir. Das ist doch ein Anfang. Nächstes Jahr versuch ichs wieder.

Ben: ich komme wieder! nächstes Jahr…

Siggi: Völlig zufrieden traf ich mich dann nach dem Rennen mit Ben, und Gabriel, die bei Fabian Cancellara am Tisch bei einem Bier (ohne Alk) sassen. Ein gelungener Wiedereinstig in die noch junge Saison.