Lüttich – Bastogne – Lüttich

Von Siggi Schörlin

Auch in diesem Jahr habe ich den Beginn der Saison wieder mit einem belgischen Klassiker begonnen. Kurz vor 7:00 Uhr stand ich am Start. Wie üblich in Belgien bei Regen und 4 Grad. Die Wetterprognose kündigte aber Aufhellungen im Laufe des Tages an.

Kurz nach dem Start, noch im Stadtgebiet von Lüttich begann die erste Steigung. Man spürte, dass noch alle frisch waren, entsprechend sind doch viele schnaufend und schwitzend am Anschlag hochgefahren und freuten sich, dass sie viele andere überholen konnten. Absolut unverständlich… bei den letzten Steigungen sah ich sie wieder, wie sie das Velo geschoben haben.

Bis zur ersten Verpflegungsstation war es ein ständiges auf und ab, gefühlt aber immer bergauf. Auf Nebenstraßen und Wirtschaftswegen führte die Straße zur ersten Verpflegungsstation. Langsam ließ der Regen etwas nach und die Straße trocknete etwas ab. Nun kam nach 84 km der erste längere Anstieg als Vorgeschmack auf den weiteren Verlauf. Bei Kilometer 130 dann der Côte de Saint Roche mit einer Maximalsteigung von 20%. Hier lernte ich das 29er-Ritzel so richtig schätzen und lieben, musste aber doch recht ordentlich drücken um hochzukommen.

Inzwischen war die Straße abgetrocknet und dann und wann schien die Sonne durch die Wolkenlücken hindurch. Nun konnte ich wieder ohne zu schlottern auf dem Velo sitzen und die weitere Strecke richtig genießen. Auch die teils doch recht «ruppigen» Wege. Auf einigen Abschnitten war auch Asphalt zwischen den Löchern vorhanden.

So spulten wir Kilometer um Kilometer, Höhenmeter um Höhenmeter herunter, die Gruppen wurden immer kleiner und auch immer langsamer.

An den letzten drei Anstiegen wurde die Zeit gemessen. An der Côte de La Redoute (1650 m lang, 162 m Höhenunterschied, max. 20%, Schnitt 9.7%) mitten im Anstieg holte ich mir einen Platten. Eine Sicherheitsnadel bohrte sich in meinen hinteren Reifen. Fluchend reparierte ich den Schaden und fuhr weiter. Anfahren bei 20% Steigung ist gar nicht so einfach… trotzdem erreichte ich nach 18 Minuten den Scheitelpunkt. Die letzten beiden Côtes bin ich dann sehr zügig hochgefahren und erreichte Lüttich nach einer Gesamtzeit von 11:06 Stunden. Die reine Fahrzeit betrug 10:06 Stunden für eine Distanz von 271 km und 4442 hm.

Mit Spagetti und Rotwein beendete ich diesen anstrengenden, aber auch sehr schönen eindrucksvollen Klassikertag, so wie es sich gehört.