Osterfahrt nach Amsterdam

Von Christof Leumann

Da die Alpenpässe in den Süden zu Ostern noch von den grossen Schneemassen des Winters versperrt waren haben sich mein Coucousin, sein Studienkollege und ich auf eine Tour mit dem Rennrad in Richtung Norden gemacht. Bei unserem Start in Basel am Karfreitag haben wir noch für knapp eine Stunde Geleit vom frisch gebackenen Papa Landy bekommen.

Die Reise ging auf der deutschen Rheinseite bis Kmebs wo wir auf die französische Seite wechselten. Kurz nach dem Durchqueren der Festungsstadt Neuf-Brislach ging es dann dem alten Rhein – Rhone Kanal entlang bis in das malerische Strassburg wo in einer Touristenfalle mit wenig freundlicher Bedienung, grossen Preisen und kleinen Portionen der erste grosse Verpflegungsstopp stattfand.

Die Energiespeicher wurden dann am Rand von Strassburg in einem Café mit Kuchen noch komplett aufgefüllt.

Dem Rhein entlang ging es weiter nordwärts mit stetig leichtem Gegenwind. Mein Coucousin durchpflügte diesen unbeeindruckt wodurch sich nach einiger Zeit ein weiterer Rennradfahrer an unser Hinterrad heftete.

Plötzlich war in meinem Rücken ein Geräusch von aneinander reibenden Reifen und kurz darauf ein heftiges Scheppern zu hören. Den Franzosen der sich an unser Hinterrad geheftet hat hat es in einer unaufmerksamen Sekunde auf dem Asphalt verstrichen. Es war zwar alles noch dran und nichts gebrochen. Aber er sah schon sehr mitgenommen aus. Von unserer kleinen Gruppe blieben zum Glück alle sicher im Sattel und unverletzt.

Bei Lauterbourg im “Au bord du rhin“ gabs dann ein fantastisches Pastazvieri mit hausgemachten Nudeln und frischen Kräutern. Knapp eine Stunde später war dann unsere erste Etape beim barocken Schoss Karlsruhe zu ende.

Schon am morgenfrüh standen wir wieder bereit für die nächste Etappe. Wir wichen dem Wind über den Pfälzerwald nach Bingen an den Fuss des Rheingaugebirges. Die Strasse schlängelt sich abwechslungsreich dem Speyerbach entlang durch die Hügel. Zwischen Taunus und Hundsrück ging es dann dem Ostufer des Rheins entlang durch das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal welches mit einer wunderbaren Landschaft, zahlreichen Burgen, historischen Gebäuden und Denkmählern gespickt ist. Eher spät haben wir im Hammerstein eine Unterkunft gefunden in der wir trotz später Ankunft mit gutem und nahrhaftem Essen versorgt wurden.

Die dritte Etappe führte über Bonn, Köln, Düsseldorf nach Arnheim. Dank einem Navigationsfehler kurz vor Düsseldorf haben wir in Hamm einen guten Verpflegungsposten gefunden.

Bei Enden / Babberich haben wir die Grenze zu den Niederlanden überquert. Danach waren es nur noch wenige Kilometer zum Entapenziel in Arnheim.

Die vierte und letzte Etappe führte uns am Ostermontag über Utrecht nach Amsterdam. Zu unserem Erstaunen war schon am Morgen ein Berg von stolzen 50 Metern Höhe zu bezwingen. Es schien an diesem Montag jeder auf dem Rad zu sein. So kam es auch dass uns seit dem Start in Basel der erste Rennradfahrer überholte. In der Hoffnung etwas Windschatten gespendet zu bekommen hefteten wir uns an sein Hinterrad. Dieser wehrte sich jedoch mit etlichen Sprintattacken bis er völlig entkräftet aufgeben musste und wir wieder ohne Windschatten weiterfahren mussten.

Bei unserer Nächsten Snickerspause passten wir wieder einen Rennradfahrer ab. Das halbe Snickers noch im Mund schwangen wir uns auf unsere Rennräder und machten uns auf die Verfolgung. So konnten wir bei stattlicher Geschwindigkeit für etwa 10 km etwas Energie sparen. Vor Amsterdam ging es dann an mäandernden Grachten an Windmühlen vorbei Richtung Hauptstadt.

Nach 825 Kilometern und dreieinhalb Tagen haben wir unser Ziel in Amsterdam erreicht.