Paris Roubaix

Von Marc Kaiser

Mit einigen Radsport-Enthusiasten von Basel entschied ich mich Ende Januar, an Paris-Roubaix, Kat. Fun, teilzunehmen. Ob die Fahrt und insbesondere die Kopfsteinpflaster-Strecken wirklich ‚Fun‘ sein werden? Zweifel sind da wohl berechtigt. Dennoch das Abenteuer reizte mich. Mein ‚Lehrmeister‘ meinte ‚deine Vorbereitung ist ungenügend für ein solch schweres Abenteuer…‘. Der Wille, das Gegenteil zu beweisen, bestärkt mich in meinem Vorhaben.

Freitag, 10.4., Fahrt mit dem Auto nach Roubaix. Dort hat sich die Gruppe in mehreren Wohnungen eingemietet. Samstag, heisst es um 03 Uhr in der Früh aufstehen. Um 5 Uhr geht es mit dem Bus Richtung Paris resp. den Startort, Busigny. Um 7.30 Uhr der Start zur Fahrt nach Roubaix. Kontrollschluss ist um 18 Uhr.

Trocken aus dem Bus ausgestiegen und schon fängt es an zu regnen. Meine Gedanken: Regen, Kopfsteinpflaster vermischt mit Erde, das wird noch interessant werden. Mein Kollege John, aus Kalifornien, meinte: Wenn du die erste Sektion Pavé fährst, wirst du dich fragen, was soll das denn? und von da an wird es nur noch schlimmer. Und so kam es dann auch.

Die ersten 13km waren trotz Regen die angenehmsten. Dann die erste Pavé-Sektion bei Troisvilles à Inchy. Ich denke hier hat ¾ vom Feld irgendetwas verloren. Überall lagen volle Trinkflaschen, Satteltaschen, Ersatz Schläuche, Riegel, Gels, Pumpen, Sonnenbrillen. Alles was nicht fest am Rad angemacht war flog einfach davon. Ich erinnerte mich an all die „guten Ratschläge“, die ich erhalten habe: In der Mitte vom Weg fahren, da sei es am angenehmsten oder einen Großen gang einfach durchdrücken, ich bemerkte aber rasch, dass sich bei Regen all die Tipps im Schlamm auflösten. Man fährt einfach und versucht heil ans Ende der Pavé-Sektion zu kommen.

Bei Quiévy à Saint-Python hat es mich dann erwischt. In einer engen Rechtskurve rutsche ich einfach weg, zum Glück ist mir und meinem Velo nichts Schlimmeres passiert. Die Bauern welche sich genau diese Kurve ausgesucht haben, um uns „anzufeuern“, lachten genüsslich und stiegen dann wieder in ihren Traktor ein.

Nach unzähligen und unendlich dauernden Pavé Sektionen erreichten wir die Trouée d’Arenberg. Dieses Stück hat den Namen Strasse nicht verdient, eher Acker. Velofahrer lagen links und recht auf der Strasse verteilt und liessen sich von der Ambulanz pflegen. Ich bin ca. mit einem Schnitt von 10km/h gefahren. Gem. Jens Vogt muss man hier schneller als 40/km/h fahren… Keine Ahnung wie das möglich ist…

Nun fehlten „nur“ noch 15 Kopfsteinpflasterstrecken. Mein Körper fing an, auf die ewigen Vibrationen zu reagieren. Kopf, Handgelenke, Rücken, Nacken schmerzten bei jeder Erschütterung. Nach 7h erreichten wir dann endlich den Velo Drôme Jean Stablinski in Roubaix. Was für eine Erleichterung. Wir umarmten uns gegenseitig und waren einfach froh, es geschafft zu haben.

Ich werde diese einmalige Erfahrung und die Zeit mit meinen Kollegen so schnell nicht vergessen und freue mich auf die nächsten gemeinsamen Ausfahrten. Vielleicht werden wir ja nächstes Jahr einen anderen Klassiker bestreiten.

Die Meldung von der erfolgreichen Beendigung der Fahrt Paris-Roubaix ist zu Hause angekommen. Spät abends dann ein SMS vom ‚Lehrmeister‘: ‚Congrats‘. Meine Antwort ‚it was tough‘, jedoch die Genugtuung, dass ich das Abenteuer durchstand umso grösser.