Premierentag

Von Urs Zwahlen

Gleich zwei Premieren waren an der vierten Ausfahrt zu beklagen. Neben den ersten Regentropfen hatten wir mit Martins Platten sieben Kilometer vor dem Ziel auch die erste Panne der Saison.

Wie von Heinz Kellers Frau, Monika, geahnt, steht heute seine 'Lieblingsstrecke' an. Öde und langweilig stuft er die französische Seite von Chalampé nach Village-Neuf ein. Doch leider kommt man an dieser Strecke nicht vorbei, will man den Ratschlägen der alten Radfüchse unter uns Glauben schenken, die ersten 1'000 Kilometer flach zu fahren. Gut, bis der Schreiberling 1'000 Kilometer geschafft hat, wird wohl der Sommer Einzug gehalten haben — aber das ist eine andere Geschichte. Interessant hingegen ist jedoch die Tatsache, wie wenige Möglichkeiten sich ergeben, will man in der Region nur flach fahren. Auf den meisten Strecken steht nämlich jeweils mindestens ein Hügel oder Berg im Weg.

Aufgrund der noch jungen Saison mit wenigen Kilo- und fast keinen Höhenmetern fahren wir die Chalampé-Strecke heute mal gegen den Uhrzeigersinn. Dies mit dem Hintergrund, einfach einige Kalorien einzusparen, denn der Versuchung eines Kaffee-/Kuchenhalts können wir problemlos widerstehen, da auf der französischen Seite die Gefahr klein ist, ein entsprechendes Café zu finden. Der Vorsatz wird jedoch bereits vor der Abfahrt durchkreuzt. Martin (Danke) offeriert eine Runde Kuchen, welche eine Mädchenklasse zur Finanzierung einer Reise anbietet. Die Sieben-Mann-Gruppe (eine Frau hat sich bisher leider noch nicht aufs Velo gewagt) fährt gestärkt bei 15° und sich langsam bedeckendem Himmel zügig nach Haltingen, Efringen und Istein, wo Martin ein erstes Mal zurückgepfiffen werden muss. Mit Bruno im Schlepptau fährt er, an der Spitze liegend, in die (sehr) steile Steigung Richtung Huttingen. In Kleinkembs fährt er zusätzlich einen Kreisel und in Schliengen nimmt er eine nicht vorgesehene Abzweigung. Kein Wunder also, dass Martin jeweils etwas schneller und fitter ist, macht er doch mit seinen Abstechern jährlich einige Kilometer mehr, als alle anderen. In Bad Bellingen werden wir ortsgetreu empfangen, spüren wir doch Wasser von oben in Form der ersten wenigen Regentropfen, die nach der Dorfausfahrt aber bereits wieder verschwinden. Auf der langen Geraden nach Steinenstadt geniessen wir mal kurz den Rückenwind, bevor wir in Neuenburg den Rhein nach Chalampé überqueren. Auf der Rückfahrt freuen wir uns dafür am heftigen Gegenwind. Dies, obwohl unser Wetterexperte Mike vorausgesagt hat, dass wir dort ständig vom Rückenwind profitieren können. Vor Kembs dann wird der Himmel etwas dunkler und es beginnt leicht zu regnen. Da auch die Temperatur um fünf Grad zurück geht, führt der Schreiberling die Gruppe mit einem schönen Dreissigerschnitt an — er möchte ja nur, dass alle warm haben und sich keiner erkältet. Überrascht stellen wir bei der Palmrainbrücke fest, dass anscheinend nicht nur die Schweizer dem Einkaufstourismus fröhnen, sondern auch die Franzosen scharenweise nach Deutschland pilgern. Ob die damit verbundenen bösen Gedanken der Grund für Martins Reifenschaden waren? Er beklagt einen Platten, welchen er jedoch unter sprücheklopfenden und zusehenden Radkollegen rasch beheben kann. An der schönen Ausfahrt beteiligten sich, neben dem Autor, Bruno, Heinz, Jean-Claude, Martin, Mike und René Gysin.