Rennbericht 1. Rennen MTB Clubmeisterschaft Prolog, 28.04.2017

Von Kai Amrhein

Eigentlich war das erste Rennen der diesjährigen Ausgabe der MTB Clubmeisterschaft für die Vorwoche terminiert, musste aber 90 Minuten vor Rennbeginn wegen einer Unwetterwarnung und zugehörigem Unwetter mit Hagel und Schnee abgesagt werden. So fand also der Prolog am gestrigen Donnertag, dem 28.April statt. Es fanden sich also sechs Tapfere ein, um den 2.4 km langen und bestens bekannten Kurs im Gebiet des Hagenbacher Hofes zwischen Inzlingen und Degerfelden in Angriff zu nehmen (siehe z.B. hier: https://www.strava.com/activities/960563514).

Viel besser waren die Witterungsbedingungen durch die Verschiebung des Rennen nicht geworden: Bei andauerndem, teils starkem Regen und Temperaturen um die 3–5 Grad waren sich alle Teilnehmer schnell einig, den Ablauf der Veranstaltung aufs Nötigste zu konzentrieren. Entsprechend fuhren wir direkt den Starpunkt an, um schon leicht angefeuchtet die finalen Vorbereitungen für das Rennen vorzunehmen: Satteltaschen abbauen, Regenkleider ablegen und auch die 58g einer Carbon Luftpumpe sind noch zu viel, also weg damit. Wer hier den negativen aerodynamischen Einfluss einer am Helm befestigten Lupine Lampe falsch einschätzt, sollte im weiteren Verlauf der Veranstaltung schon fast keine Chance mehr haben.

Die widrigen äusseren Bedingungen hinterliessen leider auch auf der Rennstrecke Eindruck: Aufgeweicht, an vielen Stellen von Pfützen durchzogen und damit recht zäh präsentierte sich der sonst eher einfach zu befahrende Belag. Zwar für alle Teilnehmer gleich, dennoch mit entsprechenden Konsequenzen für den Rennausgang: Ein gutes Stück zusätzliche Kraft wurde benötigt, die breiten Reifen durch den weichen Belag zu drücken, ganz klar ein Vorteil für diejenigen Teilnehmer, die Ihre Geschwindigkeit eher aus brachialer Muskelkraft denn aus ätherischer Eleganz und Leichtigkeit bezogen.

Insgesamt also langsame Bedingungen, die einen Angriff auf den im letzten Jahr von Daniel Burkhard aufgestellten Streckenrekord (Fahrzeit 4.10 min) eher unwahrscheinlich erscheinen liessen. Davon abgesehen fiel eine Prognose über den Rennausgang schwer: Andi Zeller, bei den Herren amtierender MTB Clubmeister, trat zum ersten Mal bei einem Prolog an. Er ist letztes Jahr mit der herausragenden Bilanz von 4 Siegen an 4 Rennen Clubmeister geworden – allesamt Rennen mit erheblichen Steigungen und Höhenmetern. Ob er allerdings auch auf einer kurzen, flachen Strecke seinen Dauerrivalen aus dem letzten Jahr – Kai Amrhein, mich – würde distanzieren können, war die spannende Frage. Und würden es Luzi oder Mauro allenfalls sogar schaffen, in dieses Duell einzugreifen?

Im extrem exklusiven und gutaussehenden Feld der Damen war Mara Bisonni die unbekannte Grösse, sie gab hier Ihr Debüt am Prolog-Rennen. Ihre einzige Gegnerin Svenja Amrhein hatte sich schon letztes Jahr am Prolog einen Eintrag in die Rangliste gesichert und sich für dieses Jahr was vorgenommen. Eine Neuerung in der diesjährigen Rennserie besteht darin, dass die MTB Gruppe in Ihrer Jahressitzung entschieden hatte, auf altersbedingte Zeit-Gutschriften zu verzichten. Wir hatten letztes Jahr die Erfahrung gemacht, dass diese zu einer starken Benachteiligung jüngerer Fahrer führten, ohne den ganz Jungen oder etwas älteren Fahrern einen gerechten Vorteil zu verschaffen. Dieses Jahr also „ohne“, und wir werden mal sehen, ob das zu faireren Resultaten führen wird oder nicht.

Diese und alle anderen Frage sollten sich dann recht bald klären, als um kurz vor 20:00 Uhr also der Startschuss für den ersten Teilnehmer fiel. Alle weiteren Starter folgten im Minutentakt, aufs genaueste instruiert und angeleitet durch Luzi's Zeitmessungs Hard- und Software, welche sich als insgesamt widerstandsfähig gegen den Regen erwies. Hier jetzt also mein ganz persönlicher Rennbericht im Sekunden Live-Ticker:

T minus 20 sec
Stehe an der Startlinie. Habe ich den richtigen Gang?
T minus 15 sec
Shit, ich wollte noch Luft aus den Reifen lassen… tubeless macht nur mit wenig Druck Sinn – jetzt ist es zu spät.
T minus 10 sec
Hffff, hfff, hfff… In der Lunge macht die Luft mehr Sinn, also rein damit.
T minus 5 sec
Luzi‘s Rechner fängt an, eindringlich zu piepen und zählt die letzten 5 Sekunden runter, ganz schön professionell, der Puls steigt deutlich.
0
Start – los geht’s. Fuss ins Klickpedal und so schnell wie möglich auf Touren kommen.
T plus 30 sec
Was? Schon brennen die Oberschenkel? Gaaanz bisschen zurück nehmen, eher Frequenz als Kraft, es steigt so mit ca. 1–2 Prozent und es kommen noch knapp 4 Minuten.
T plus 1 Minute
Flachstück, sehr weich und nass, es spritzt, Wasser im Gesicht, Sand im Mund, Matsch auf der Brille… Wo ist die beste Linie zwischen den Pfützen? Auf der Grasnarbe…nein…doch daneben. Beine soweit ok…
T plus 1:45 Minuten
Mit viel Schwung um die erste Kurve, zweite, Tempo hoch halten…. Dann runterschalten, gleich kommt die einzige kleine Rampe welche die Strecke zu bieten hat.
T plus 2:15 Minuten
In der Rampe…Gang ist eins zu hoch…egal trotzdem durchdrücken, Schalten ist keine Option…. Oben… Jetzt nicht Luftholen, nicht nachlassen, erst wieder Geschwindigkeit aufnehmen, nochmal treten, nochmal, … und jetzt… etwas Luft, Gabel blockieren, Kopf runter, und volle Pulle drücken.
T plus 2:30 Minuten
In der Abfahrt, Tempo ist hoch, Andi kommt mit entgegen… ist das eine Minute zwischen uns… oder mehr? Oder weniger? Egal, treten, treten…
T plus 3 Minuten
Flachstück, Rüttelpiste, Pfützen… keine Sicht, keine Luft…aber Tempo. Svenja passiert mich…sie lächelt nicht…
T plus 4 Minuten
Ziel in Sicht…Mara kommt vorbei…, da jetzt also erst Recht… manchmal gewinnt man den Prolog mit einer Sekunde Vorsprung.
T plus 4:23 Minuten
Zieldurchfahrt. Null Sauerstoff im Hirn, in den Beinen… schaffe es, abzubremsen, stehe da, keuche…, keine Luft… ach, ich könnte das den ganzen Tag machen.
Photofinish vom Selbstauslöser