Rennbericht 2. Rennen MTB Clubmeisterschaft Rundenrennen Hagenbach

Von Kai Amrhein

Mit dem zweiten Rennen ist die MTB Clubmeisterschaft des VC Riehen dort angekommen, wo sie hingehört, nämlich in den „Bergen“ oder zumindest – siehe das Höhenprofil oben – in den Hügeln rund um Riehen: Wiederum wegen des schlechten Wetters eine Woche später als geplant fand am Donnerstagabend das Rundenrennen auf der Strecke um Hagenbach auf dem Programm. Ähnlich wie beim vor fast einem Monat ausgetragenen Prolog-Rennen machte sich eine kleine Gruppe von sechs Athleten auf den Weg zum Start, bei diesmal allerdings nahezu idealen äusseren Bedingungen – ganz anders also als beim völlig verregneten Prolog. Auch diesmal waren die Familien Bisonni (mit Marco und Mauro) und Amrhein (mit mir und Svenja) mit jeweils zwei Starten vertreten – ein Vorteil, der sich allerdings während des Rennens nicht praktisch auswirken sollte: Helferdienste konnten keine verrichtet werden, und auch die Kapitänsrolle wurde höchstens inoffiziell vergeben. Im Bisonni Imperium allerdings hatte sich Mara leider vom Rennen abgemeldet und wurde durch Ihren Bruder Marco ersetzt. Mit verheerenden Auswirkungen auf die Damenkonkurrenz: Hier stand die Siegerin schon vor dem Rennen fest, mit Svenja als einziger Starterin. Ergänzt wurde das Feld von Luzi, welcher der Veranstaltung ein wenig präsidialen Glanz verlieh, und Sven Schulzke. Sven ist zwar sehr aktiv in der Mountainbike Gruppe, hat aber aufgrund seiner Arbeitsbelastung am Unispital bisher nur an ganz wenigen Rennen der Clubmeisterschaft teilnehmen können. Und dennoch ist Sven ein rennfahrerisches „Schwergewicht“: Er zählt ohne Zweifel zu den leistungsstärksten Fahrern in der MTB Gruppe, nimmt regelmässig an offiziellen Rennen teil (z.B. jetzt am Sonntag am Waldhaus Marathon) und weiss mehr über Watt-basiertes Training als sonst wer. Körperlich dann eher ein Leichtgewicht – und somit verfügt er über exzellente Voraussetzungen für Rennen mit deutlich coupiertem Profil. Aus dem Augenwinkel fällt mir auf, dass Sven eine 1x11 Übersetzung montiert hat (Im Gegensatz zu 2x10 bei mir)… Ob Ihm das in der langgezogenen Abfahrt vor dem Ziel reichen wird?

Nach einer in freundlichem Tempo absolvierten Besichtigungsrunde zum warm- und vertraut werden fiel dann kurz nach 20 Uhr der Startschuss. Wir fahren diesmal ohne offizielle Zeitmessung, der Rennausgang ergibt sich aus der Zieleinfahrt. Damit auch der geneigte Leser mit der Strecke vertraut und warm werden kann, nochmals der Hinweis auf das oben angefügte Streckenprofil und die Namensgebung der einzelnen Abschnitte innerhalb der Strecke. Hier jetzt also mein ganz persönlicher Rennbericht im Sekunden Live-Ticker:

T minus 20 sec
Tja, wie geht man das an? Zwar insgesamt nur ca. 75 Höhenmeter pro Runde, diese aber mit teilweise bis zu 17% Steigung ganz erheblich. Was ist also die Rennstrategie, um gegen einen Gegner zu bestehen, der am Berg sicher deutliche Vorteile hat? Und werde ich tatsächlich auf den flachen Stücken mit meinem mehr an Gewicht dann auch die Kraftverhältnisse umkehren können? Werden wir gleich sehen.
0
Start, ganz kurze Abfahrt, dann hinein in die Anfahrt. Auf leichtem Schotter bei 5-6 Prozent Steigung denke ich mir, dass ich mit einem kleinen Sprint im Wiegetritt die anderen gleich ein wenig unter Druck setzen kann, ohne dass es mich allzu teuer kommen dürfte.
T plus 40 sec
Dieser Teil des Plans ging schon mal auf: Schon die erste Tempoverschärfung hat das Feld gesprengt, nur Sven – natürlich - kann und will mithalten, mit vielleicht 20m Vorsprung gehe ich zum ersten Mal in den Anstieg – der bei Strava als individuelles Segment den treffenden Namen „Rampensau“ trägt… gerne mal nachfahren, der Name ist schon verdient.
T plus 3 min
Im Anstieg, noch immer ca. 10m voraus. Mein Plan jetzt ist es, ein Tempo zu finden, was einerseits mich nicht total erledigt, andererseits Sven aber auch schon ein wenig Arbeit abverlangt… soweit die Theorie. Doch was sagen die Beine – und was ist sein Plan?
T plus 6 min
Was auch immer Sven‘s Plan ist, ein Angriff im Anstieg der ersten Runde scheint nicht darin vorzukommen: Ohne ganz grosse Mühe erreichen wir den Übergang zu Flachstück und unverändert hält er sich hinter mir. Jetzt will ich ein wenig genauer wissen, ob ich wirklich im Flachen mit einem Vorteil rechnen kann, und forciere mal das Tempo…
T plus 8 min
Meine Tempoverschärfung im Flachstück verpufft wirkungslos, scheinbar leicht kann Sven an mir dranbleiben. Ich stelle den Effort erst mal ein. Sven geht an mir vorbei und übernimmt die Führung – ok.
T plus 10 min
In der Abfahrt, ich fahre im Windschatten. Und ja, jetzt sind sie da, meine Vorteile – ob vom Gewicht oder der Übersetzung begünstigt… Ich kann leicht an Sven dranbleiben, muss im Gegenanstieg sogar ein wenig Schwung wegnehmen, um nicht aufzufahren. Sollte ich in der nächsten Runde auch noch dran sein… könnte es was werden.
T plus 11 min
In der Zielabfahrt. Nächster Test. Kann Sven in diesem leicht abfallenden Terrain mithalten? Notabene handelt es sich ja bei diesem Stück auch um das Endstück des Prolog-Rennens, bei dem ich immer sehr gut positioniert bin – wo wenn nicht hier?
T plus 12 min
Zieldurchfahrt erste Runde. Die Tempoverschärfung in der Zielabfahrt hat nichts gebracht. Wieder kann Sven dranbleiben. Das ist schlecht, weil sich hier – im Besten möglichen Fall (nämlich dann, wenn ich in der nächsten Runde hier auch noch an Ihm dran bin) –in der zweiten Runde das Rennen entscheiden könnte. Tja…
T plus 13 min
In der Anfahrt. Vorhin habe ich hier forciert, jetzt zieht Sven das Tempo an. Ich kann aber dranbleiben: Die 5% hier sind nicht genug, um den Unterschied zu machen.
T plus 15 min
Mit viel Schwung die kleine Abfahrt vor dem Anstieg runter, durch das (dieses Jahr mal trockene) kleine Bachbett (letztes Jahr war der Bach da und ich konnte die Gegner ein wenig düpieren, bzw. nass machen: Weil ich wusste, was gleich kommt, bin ich gesprintet um als Erster durchzufahren… und dabei wie zufällig recht Wasser aufzuwirbeln). Jetzt also Ideallinie finden, und dann 90 Grad links rein in den Anstieg, Sven voraus. Jetzt gilt‘s gleich… wenn er es irgendwo versucht… dann jetzt und hier.
T plus 15:30 min
Im Anstieg. Kann dranbleiben. Kann dranbleiben. Kann dranbleiben. Nur viel schneller sollte es besser nicht werden.
T plus 17 min
Anstieg Ende, Übergang zum Flachstück: Ich bin noch dran, habe aber Mühe. Und jetzt ist es also soweit: Mit Erreichen des Flachstücks forciert Sven das Tempo…. Und ich muss Ihn ziehen lassen… 10 Meter, 20 dann vielleicht 40.
T plus 19 min
Im Flachstück: Ich habe meine kurze Atemlosigkeit vom Ende des Anstiegs überwunden und kann den Abstand nach vorne bei ca. 40m einigermassen konstant halten. Das wäre ja soweit OK, auf Abfahrt, Gegenanstieg und Zielabfahrt war ich in der ersten Runde meinem subjektiven Empfinden nach schneller.
T plus 20 min
Im Gegenanstieg. Ja, es ist so: Ich habe mehr Schwung. Ich kann die Lücke schliessen, wir erreichen das Ende des Gegenanstiegs zusammen. Mit voller Fahrt (max. Tempo 56 km/h, das ist im Wald schon sehr schnell) geht es jetzt Richtung Ziel. Sven voraus, ich im Windschatten.
T plus 22
In der Zielabfahrt, noch ca. 1km bis zum Ziel, „Flamme rouge“. Wir sind gleichauf, fahren nebeneinander her, bei ca. 35 km/h. Was passiert jetzt als nächstes?
T plus 23 min
Ca. 500m vor dem Ziel, dieses passiert: Sven zieht einen Sprint an, ich gehe sofort mit. Ca. 10 Sekunden lang volle Kraftentfaltung, kurzes Stossgebet an die Heilige Amalia, Schutzpatronin der 2x10-fach Übersetzungen…. Ja, ich gehe vorbei – drücken, drücken, nur nicht umdrehen. Habe die ganze Woche Giro geguckt: Umdrehen ist Zeitverschwendung: Sie kommen oder nicht, und wenn man sich umdreht kommen Sie nur schneller.
T plus 24 min
Zieleinfahrt – ich bin vorne – glaub ich. Jetzt gucke ich mich doch mal um. Und ja, Sven ist ca. 100m zurück, er hat seinen Sprint wohl abgebrochen. Heilige Amalia – DANKE! Hast Du noch ein bisschen Luft für mich?

Ranglisten und aktuelles Gesamtklassement