Rennbericht Gippingen 10.06.2017

Von Kai Amrhein

Höhenprofil und Bezeichnung der Abschnitte

Oft und intensiv musste Ben in der VC Riehen Rennrad WhatsApp Gruppe zur Teilnahme an diesem Rennen auffordern. Bei strammen 75 CHF Anmeldegebühr war es ausserdem notwendig, die Grenzen des Spesenreglements auszuloten (ja, scheinbar werden auch Triathlon-, Langlauf- und andere Rennen durch das Spesenreglement abgedeckt). Schlussendlich hat sich der Aufwand aber gelohnt: Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen 25 Grad trat der VC Riehen mit vier aktiven Teilnehmern an der Light Etappe der Aare Classics in Gippingen an: Marc Kaiser, Ben Klenk, Gabriel Trickes und ich. Vor uns liegt eine interessante, technisch nicht zu anspruchsvolle 9 km Runde welche wir sechs Mal zu absolvieren haben. Mit ca. 90 Höhenmetern ist diese Runde weniger schwierig, als es das etwas verzerrte Streckenprofil oben vermuten lässt. Aber – nicht die Strecke macht das Rennen schwierig, sondern die anderen Fahrer…

Ich selbst stehe mit gemischten Gefühlen am Start: Dies heute wird das dritte offizielle Rennrad Strassen-Rennen meines gesamten Lebens. Und obwohl ich beim Zeitfahren und bei Mountainbike Rennen über ordentlich Erfahrung verfüge, kann ich das also für Rennrad Strassenrennen definitiv nicht von mir sagen: Die vorangegangenen zwei Rennen haben mich… an Erfahrung gewinnen, aber auch fast ein bisschen an meinen Fähigkeiten zweifeln lassen. Bei dem einen Dienstagabendrennen in Möhlin im April, welches zur VC Riehen Rennrad Clubmeisterschaft gehörte, hatte ich noch ein rechtes Debakel erlitten. Vom Start weg konnte ich dort dem Feld nicht folgen, nach gefühlten 10 Sekunden war ich als einziger hinten aus dem Feld herausgefallen. Dass ich es dann im weiteren Verlauf – zunächst als Einzelzeitfahrer - geschafft habe, alle anderen aus dem Feld herausgefallenen noch einzusammeln und in einer dann entstandenen zweiten Gruppe massgeblich die Tempoarbeit machen konnte – geschenkt. Oberstes Ziel für heute in Gippingen also würde es sein, nicht (gleich – uaahhh) aus dem Feld heraus zu fallen. Alles Weitere muss man dann sehen.

Das Team vom VC Riehen am Start

Vom Start weg ist das Tempo erstaunlich gemächlich. Scheinbar will keiner bei den heissen Temperaturen sofort und unmittelbar alles herausholen. Geschlossen erreicht das Feld die erste Steigung, der VC Riehen Zug in Tuchfühlung im vorderen Drittel versammelt, so geht es, immer noch recht gemächlich in den Anstieg. Kaum ist dieser aber absolviert, tut sich etwas. Vorne geht die Post ab, es kommt zu einem ersten Angriff. Wie viele Fahrer genau beteiligt sind, kann ich erst zunächst gar nicht klar erkennen. Alles was ich sehe ist, das Gabi mit dabei ist, und da ist es auch schon passiert: Ich versuche, auch mitzugehen. Im leicht abschüssigen Übergang gelingt mir das einigermassen, ich komme auf ein paar Meter an Gabi ran. Doch dann kommt die Abfahrt, und hier muss ich erkennen, dass ich nicht folgen kann: Mit brachialer Wucht und sehr hohem Tempo stürzen sich die Kollegen vor mir den Berg hinunter und ich verliere Meter um Meter. Etwas frustrierend, ich merke selbst, dass ich mich hier ungeschickt anstelle. Etliche andere Fahrer nutzen die Gelegenheit und gehen an mir vorbei…grrrr.

Im Flachstück komme ich dann ausgerechnet auch noch alleine an, so dass ich bei leichtem Gegenwind keine andere Wahl habe, als mich ein bisschen zurückfallen zu lassen, bis von hinten Unterstützung angekommen ist. Wenn ich es richtig sehe, bin ich jetzt auch wieder mit Ben und Marc in einer Gruppe – naja, immerhin… Kurz darauf bemerke ich, dass unsere Gruppe wieder nach vorne aufgeschlossen hat, also ist auch Gabi wieder mit uns zusammen unterwegs. Was ich zu diesem Zeitpunkt aus dem Rennen heraus nicht wahrnehmen kann ist, dass sich vor all diesen Gruppen ein einzelner Fahrer alleine hat nach vorne absetzten können… Doch dazu später mehr.

Die paar Minuten im Feld tun mir gut, bis zur ersten Zieldurchfahrt und dem neuerlichen Erreichen des Anstiegs habe ich mich wieder stabilisiert und kann relativ locker mit dem Feld die Steigung bewältigen. Etwa in der Hälfte dieser Steigung ist das Tempo gar so moderat, dass es möglich wäre, ein wenig im wiegetritt zu fahren um die Beine zu lockern. Während ich mir noch überlege, wie gut meine weit schwingende Wiegetritt-Technik im Feld wohl ankommen würde, gehen neben mir bereits andere Fahrer aus dem Sattel. Und – das weite Schwingen haben die wohl auch verinnerlicht, leider bietet es sich mitten im Feld wirklich nicht an: Schon höre ich es Krachen und Rufen, dann kriege ich einen Schlag auf die Hüfte… kann mich aber halten und bin Sekundenbruchteile später schon vorne aus dem Sturz heraus. Wie viele Fahrer davon betroffen waren kann ich nicht sagen, ich hoffe, dass sich niemand ernstlich verletzt hat, das Tempo war nicht sehr hoch, aber Asphalt ist immer hart.

Der Zweite Anstieg ist absolviert, und es wiederholt sich das Muster von der Ersten Runde: Mit Erreichen des Übergangs zieht das Tempo massiv an, wieder teilt sich das Feld in kleine Gruppen und etliche Solisten. Und wieder fühle ich mich stark genug, mich einer der vorderen Gruppen anzuschliessen. Leider wiederholt sich auch in der Abfahrt das Muster aus der vorigen Runde: Obwohl ich es jetzt schon etwas besser hinkriege, kann ich meine Gruppe nicht halten, erreiche das Flachstück alleine. Diesmal ist allerdings eine Gruppe recht nah hinter mir, und ich kann quasi sofort darin Platz finden. Ich glaube, Ben und Marc sind jetzt eine Gruppe vor mir, Gabi noch davor.

Unsere Gruppe liegt etwa 50 Meter hinter einer Gruppe, in der ich Marc und Ben noch zu sehen glaube. Also machen wir uns daran, diese Lücke zu schliessen. Ich fahre mit an der Spitze meiner Gruppe, und nehme auch ein, zwei Ablösungen in der Führung. Stelle dabei aber fest, dass wir der Gruppe vor uns nicht wirklich näherkommen, die 50 Meter Lücke wird nicht kleiner. Nachdem das sich zwei, drei Führungswechsel unserer Gruppe lang nicht ändert, werde ich ungeduldig: Obwohl wir schon recht flott fahren, und definitiv viel investieren, kommen wir nicht näher heran. Dann mache ich meinen fatalen Fehler: Bei der nächsten Ablösung gehe ich aus dem Sattel und sprinte die Lücke zu, mit bis zu 55 km/h, wie mir ein schneller Seitenblick auf den Tacho zeigt. Viel investieren und nichts davon haben oder noch ein kleines bisschen mehr investieren und die Lücke geschlossen zu haben, das war meine Überlegung.

Eine beschissene Überlegung, leider: Etwas völlig ausser Puste kommen wir jetzt wieder an die Zieldurchfahrt, und die Steigung beginnt. Und ich kann nicht mehr mithalten, keine Luft, keine Kraft…grrrr. Ich steige vom Rad. Auf ein weiteres Einzelzeitfahren hinter dem Feld habe ich keine Lust.

Der Rest des Rennens geht so: Während ich in charmanter Gesellschaft unter einem Sonnenschirm alkoholfreies Bier trinke, passiert das Feld noch 4 Mal die Ziellinie. Es scheint mir ein wenig ruhiger geworden zu sein, das Feld scheint kompakter und stabiler, scheinbar hat es sich sortiert? Die VC Riehen Kollegen kämpfen aufopferungsvoll und äusserst tapfer: Gabi immer eher an der Spitze des Feldes, Ben an dessen Ende, und Marc ab der vierten oder fünften Runde knapp dahinter. Vor dem Feld fährt der Einzelfahrer, der sich schon auf der ersten Runde abgesetzt hatte (unglaublich!). Auf der Strecke wurden parallel allerdings auch noch andere Rennen zeitgleich ausgetragen: Neben unserer Light-Etappe gab es noch Medium und Heavy, in denen die Runde 8 bzw. 10 mal absolviert werden mussten. Und so ergab sich eine Situation, dass der in unserem Rennen führende Einzelfahrer das Feld eines anderen Rennen passieren liess, ohne sich diesem Feld anzuschliessen. Dabei hat er aber leider übersehen, dass einer der Konkurrenten aus dem Light-Rennen diese Möglichkeit sehr wohl genutzt hatte, und mit dem „fremden“ Feld also auch den führenden Einzelfahrer passieren konnte. Es gab dann einige Diskussion, ob das wohl fair war oder nicht – schwer zu sagen. So waren also bei Zielankunft die ersten beiden Plätze bereit vergeben, und das war schade für Gabi: Er konnte nämlich den Sprint des Feldes auf der leicht ansteigenden, undankbaren Zielgeraden für sich entscheiden, was ihm also den dritten Platz einbrachte – sackstark. Vielleicht 5 bis 8 Plätze dahinter im Feld Ben, etwas später dann als Solist Marc – Respekt!

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Rangliste Gippingen 2017 – Light, PDF