Rennbericht Tour de Suisse Challenge

Von Siggi Schörlin

Am regnerischen und kalten Pfingstmontag machte ich mich auf den Weg nach Cham um die ersten beiden Etappen der Tour zu erkunden. Zuerst fuhr ich im Bummeltempo die EZF Strecke ab. 6 KM und 45 Höhenmeter sind ja nicht gerade sehr viel. Vom Start weg abfallend, dann leicht ansteigend und plötzlich eine kurze aber knackige Wand vor mir. Ich schaltete zu spät auf das kleine Blatt und bin fas stehen geblieben. Nach einigen Kurven ein kleiner „flacher“ Anstieg und dann leicht abfallend bis zum Ziel. Insgesamt drehte ich die Runde 6 Mal, dann hatte ich das Gefühl die Strecke sitzt. Aber auch eine sehr kurze Strecke kann sehr anspruchsvoll sein. Anschließend fuhr ich die Strecke der Cancellara Challenge.

Cancellara Challenge

Am Samstag 10.06.2017 um 11:37 rollte ich von der Startrampe. Die Kurven fuhr ich alle recht sauber, auch die „Laktatwand“ drückte ich auf dem großen Blatt hoch. Dann hieß es nur noch Kopf runter und alles in die Pedale hauen was drin ist. 6 Kilometer können unendlich lange sein, wenn die Beine und die Lunge brennt. Nach 08:12.2 Minuten erreichte ich das Ziel mit einem Stundenmittel von 43,64 km/h. Zum Vergleich Rohan Dennis benötigte für dieselbe Strecke lediglich 06:24,64 Min. Äußert spannend war dann am Abend das Rennen der Profis am TV zu verfolgen. Da konnte man doch sehr deutlich die Unterschiede der Fahrtechnik erkennen.

In der Gesamtwertung reichte dies für den 36. Platz und in der meiner Altersklasse den 1. Platz.

Morgarten Memorial

Am nächsten Sonntag bereits um 08:15 fiel der Startschuss zur 2. Etappe. Wieder auf der etwas verkürzten Originalstrecke. 87,2 KM und 1206 HM waren auf dem Rundkurs der 2 Mal befahren wurde, zu bewältigen. Die ersten 15 Km führten über leicht welliges Terrain bis zum Fusse des ersten Anstieges. Das Feld fuhr geschlossen in den ersten Anstieg hinein. Auch hier halfen mir die Streckenkenntnisse wieder. Ich hielt mich im vorderen Teil des Feldes auf als wir in den Anstieg einbogen. Gleichmäßig kurbelte ich hoch, wurde von vielen überholt, die ich aber im letzten steilen Drittel des Anstiegs wieder eingefangen hatte. Zusammen in einer Gruppe von 5 Leuten stürzten wir uns in die technisch teils sehr heikle und schnelle Abfahrt. Vor und ca. 500 Meter fuhr eine weitere Gruppe, die wir versuchten einzuholen. Die Harmonie war perfekt, die kurzen aber intensiven Ablösungen funktionierten einwandfrei, obwohl das Tempo nie unter 50 km/h fiel. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte der Anschluss wieder hergestellt werden. Diese Gruppe blieb dann auch für das weitere Rennen zusammen. Die 2. Runde wurde doch zügig absolviert. Ca. 15 KM vor dem Ziel wurde die Finale Phase mit merklich gestiegenem Tempo eingeläutet. Jetzt war wieder volle Aufmerksamkeit gefordert. Für mich hieß das, immer in den vorderen Positionen bleiben, lieber einmal mehr in der Führung sein, als Löcher wieder zuzufahren. Ca. 2 KM vor dem Ziel, auf einen kurzen aber doch sehr schmerzhaften Anstieg wurde das Tempo massiv erhöht und Fluchtversuche gestartet, dann riss die Gruppe dann auseinander. Meine Taktik hatte sich bewährt, ich befand mich in den vorderen Positionen und konnte in einer schnellen Gruppe in die Zielgerade einbiegen. Leider war 25 Meter vor dem Ziel der Weg versperrt, so dass ich nur noch über die Linie rollen konnte.

Aber was soll's, ich bin ein sehr gutes Rennen gefahren und hatte einen riesigen Spaß dabei. Mit einer Zeit von 2:25:26 erreichte ich den 54. Gesamtrang und wiederum den 1. Rang in meiner Altersklasse.

City Circle

Eine Woche später stand die letzte Etappe an. Die „Corenercard City Circle“ Ein Rundkurs in Schaffhausen der 3-mal befahren werden musste. Hier fand auch am Nachmittag das EZF der Profis statt. Auf 77,1 KM mussten 1062 HM bewältigt werden. Auf der letzten Etappe nahm ich die Gesamtwertung ins Visier. Entsprechend hatte ich während des Rennens immer auf meine Gegner im Blickfeld. Nach dem Start führte die Strecke wiederum über leichte Wellen bis zum ersten Anstieg, den das fast geschlossenen Feldes in Angriff nahm. Hier teilte sich das das Feld in größere Gruppen die auch zusammen blieben. Leider war der Anstieg nicht selektiv genug um das Feld richtig zu teilen.

Die folgenden teils steilen Abfahrten waren technisch sehr anspruchsvoll und wurden in hohem Tempo gefahren. Zum ersten Mal bin ich, unter den Augen der Polizei, mit Tempo 70 km/h durch eine Tempo 30 Zone gefahren. Auf den folgenden Runden hielt ich mich im vorderen Teil des Feldes auf. Da es doch eine sehr große Gruppe war achtete ich darauf, auf der letzten Runde in den vorderen Positionen in die Abfahrt zu gehen. Dies klappte auch sehr gut. Leider wurde ich kurz vor dem letzten „Flamme Rouge“ in einer Kurve ausgebremst, so dass ich etliche Positionen verloren habe. Auch ein Konkurrent schoss an mir vorbei. Ca. 800 m vor dem Ziel hatte er einen Vorsprung von sicher 200 Meter, die ich bis zum Zielstrich bis auf 2/10 Sekunden wieder zu Sprinten konnte. Die Linie war einfach 10 Meter zu weit vorne. Aber so ist es halt im Sport.

Mit einer Zeit von 2:06:18 erreichte ich den 56. Gesamtrang und den 2. Platz in der Altersklasse.

Somit konnte ich nach 2016 die Gesamtwertung in meiner Altersklasse (Königsklasse, 60+) der „Tour de Swiss Challenge“ wieder gewinnen. Weitere Informationen unter: http://www.tourdesuisse.ch/de/challenge/tour-de-suisse-challenge
Ergebnislisten unter: https://www.abavent.de/anmeldeservice/tourdesuissechallenge2017/ergebnisse.