Saisoneinstieg in Belgien

Von Siggi Schörlin

Am Sonntag 15.04.2018 um 07:00 Uhr morgens stand ich in Brakel, die liegt mitten in Flandern am Start der (Peter van Pettegem Classic) Dies ist ein Rennen der „proxumis cycling challenge. Eine Rennserie die sich über das ganze Jahr und über ganz Belgien erstreckt. Trotz der ca. 2500 Teilnehmer verlief die Einschreibung sehr ruhig und sehr speditiv. Eine sehr vorbildliche Einrichtung war die Kaffee Ecke mit Gebäck. Also alles sehr relaxt.

Die Strecke wies eine Länge von 162 km und 1720 hm auf. Verteilt auf 13 meist unbekanntere Hellinge und 3 Kopfsteinpflaster Passagen (Kasseien).

Die Hellinge sind meist nicht sehr lange dafür aber ganz, oder in Teilstücken sehr steil, teils über 16%. Besteht der Strassenbelag zusätzlich aus Kopfsteinpflaster wird es richtig schwer, einigermassen ein Tempo zu halten, bzw. nicht umzufallen.

Zwischen den einzelnen Passagen wurde relativ gemütlich gefahren, bei den Hellingen und dem Kopfsteinpflaster wurde jedoch ordentlich auf die Tube gedrückt. Beim Kopfsteinpflaster spielten die Belgier jedoch ihren Heimvorteil aus. Bei den meisten Passagen bin ich hinten rausgefallen und musste mich immer wieder herankämpfen. Die Spezialisten auf diesem Gebiet haben meine volle Bewunderung.

Im Peloton herrschte eine überaus kollegiale und fröhliche Stimmung, nicht zuletzt wegen den warmen frühlingshaften Temperaturen.

Nach 5 Std. und 19 Min. erreichte ich wieder den Startpunkt. Dies entspricht einem Schnitt von 30.1 km/h. Nach 2 Ruhetagen nahm ich die bekannten Anstiege der Flandern Rundfahrt unter die Räder. Dies als Vorbereitung zum ersten grossen Highlight der Saison, das Rennen auf der Originalstrecke Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Am 21.04.2018 war es dann soweit. Kurz vor 7:00 Uhr bei kühlen Temperaturen wurde der Start freigegeben. Eine riesige Schlange von Velos drängte sich durch die Strassen von Lüttich. Gemütlich rollten wir los bis jemand meinte wir sind von der Strecke abgekommen. Es ist halt wie in einer Schafherde, immer dem anderen hinterher. Irgendwie löste sich der Stau wieder auf und alle fuhren wieder den anderen hinterher. Diesmal aber auf der richtigen Route. Beim ersten Anstieg fuhren die ersten schon am Anschlag, obwohl sie wussten, dass die Strecke insgesamt 275 km lang ist. Die Strecke ist ein einziges Auf und ab. Kaum ebene Stücke. Nach ca. 50 km bildeten sich Gruppen mit den verschiedensten Geschwindigkeiten heraus. So konnte jeder sein Tempo fahren, das ihm entgegenkommt. Hier im wallonischen Teil Belgiens nennen sich die Aufstiege „Cotes“ wovon es sehr viele gab. Alle waren aber geteert und teils 20% steil. Anfangs lief es noch richtig rund, nach 200 km wurde es immer steiler und steiler… Es war ein richtiger Abnutzungskampf. Auch die Konzentration musste während des ganzen Tages hoch gehalten werden. Die teils schlechten Strassen, Verkehr das Fahren im Peloton man musste immer hellwach sein. Dieses Mal kamen die sommerlichen Temperaturen noch dazu. Insgesamt aber ein herrlicher Tag auf dem Velo, trotz den Schmerzen in den Beinen, dem Rücken, dem Popöchen, den Füssen…

Im Ziel war dann aber alles wieder vergessen, als sich der Duft von gegrillten Bratwürsten in der Luft verbreitete. Für die 275 km und 4275 hm benötigte ich 9 Std. und 43 Minuten was einem Schnitt von 28.3 km/h entspricht.