9. Samschdigstour 20.04.19 – Um an Ostern zu warten muss man nicht am Gotthard stehen

Von Hanspeter Brack, Fotos von André Fürbringer

Wir waren (irgendwie) unterwegs, damit wäre schon fast alles gesagt. Ausgeschrieben war eine nicht allzu lange, aber mit doch einigen Höhenmetern ausgestattete Strecke. Das schöne und warme Wetter liess bei der Teilnehmeranzahl das Dutzend voll werden. Die Gruppe stellte sich wie folgt zusammen, Sonja, Isabelle & René, Andre, Bruno, Claude, Gianni, Martin, Mike, Urs, dem vom VC Peloton transferierten indischen Gastfahrer Kuma, und mir selbst. Schon nach der ersten Steigung oberhalb Inzlingen zeigte sich, dass es für unseren Gast wohl kein einfacher Tag werden würde, mussten wir doch bereits geraume Zeit auf ihn warten. Man hätte den Tag durchaus auch mit warten auf Kuma betiteln können.

Auf der B316, bis zur Abzweigung nach Adelhausen, hiess es in geordneter Einerkolonne zu fahren. Wie René richtig bemerkte, ist der nach dieser Abzweigung durch den Wald führende Streckenabschnitt deshalb faszinierend, weil man, von beiden Seiten kommend, das Gefühl hat, die Strasse sei abfallend. Allerdings führt sie vor Adelhausen in eine Senke und damit verbunden zu einer kurzen Steigung in das Dorf hinauf. Wieder warten. Bruno der von hier via Steinen retour fahren wollte, bot sich an, unseren Gast mitzunehmen. Dieser wollte aber, wohl ohne zu wissen was ihn erwarten wird, partout mit uns weiterziehen. So setzten wir uns Richtung Obereichsel in Bewegung, wo die nächste Wartezone eingerichtet wurde. Nein falsch, nicht warten auf Kuma, sondern auf Martin, dessen Schuhplatte sich gelöst hatte. Ziemlich genau vor Jahresfrist hatten wir das auch schon. Das Problem konnte gelöst werden und mit über 50 km/h schossen wir abwärts Degerfelden entgegen, von wo aus wir via Nollingen und Minseln Nordschwaben zu erreichen gedachten.

In Minseln und Norschwaben konnten wir uns erneut auf die verzögerte Ankunft von Kuma, dessen Gesicht nun immer leidendere Züge annahm, einrichten. In Norschwaben verweigerte das Getriebe am Velo des Tourenleiters, mit lautem Getöse, seinen Dienst. Nun musste auch noch auf ihn gewartet werden. Das wird ja immer besser. Was war geschehen? An der oberen Umlenkrolle des Kettenwechsels hatte sich eine Schraube gelöst. Peinlich. Gut hat er keinen Veloladen mehr. Dank Claude’s Universalwerkzeug konnte auch dieser Defekt schnell behoben werden. Der Tourenleiter hätte übrigens gratis eine Defekthexe abzugeben. Bevor wir mit einer rasanten Abfahrt nach Schopfheim für unsere Anstrengungen belohnt wurden, war am Wanderparkplatz Altreb wiederum warten auf Kuma angesagt. Leider wurde uns die Abfahrt teilweise durch ein das Tempo drosselnden Pace-Car etwas vermiest.

Ab Schopfheim führte uns die Route bis Wislet noch ein kurzes Stück ins kleine Wiesental hinein. Vorgesehen war, ab Weitenau, vorbei am Vogelpark, über die Anhöhe «Evangelische Kirche Hofen Steinen» Schlächtenhaus anzusteuern. Unserem Gast zuliebe, der nun mehr und mehr verzweifelt nach einem nicht vorhandenen Dorfbrunnen Ausschau hielt, kürzten wir unser Vorhaben ab, indem wir direkt von Weitenau nach Steinen fuhren. Auf der Fahrt der Wiese entlang wurde unser Fahrerfeld bei einer Unterführung durch zwei sich in der Mitte treffende Velofahrer, was bekanntlich selten gut ausgeht, geteilt. Zudem hat auch Martin, irgendwo auf diesem Teilstück, seinen persönlichen Glückstag durch einen Pedalbruch vollendet. Von all diesen Vorfällen nichts mitbekommen, hiess dies für den vorderen Teil des Feldes, am Ende des Veloweges, bei der letzten Brücke vor der Grenze, die übrigens «Ob der Bruck» heisst, ein letztes Mal warten. Man muss also über Ostern nicht zwingend am Gotthard stehen um zu warten.

Aus gegebenem Anlass endete diese Ausfahrt beim Tourenleiter zu Hause, wo wir bereits von dessen Frau Beatrix und Kurt erwartet wurden. Bei Kaffee und Kuchen fand der Tag doch noch einen würdigen Abschluss. Getränke und Kuchen konnten ohne weitere Zwischenfälle vernichtet werden und über die sonstigen Erreignisse konnte bereits wieder gelacht werden. Für Kuma war es wohl ein ziemlich harter Einstieg, aber er hat sich tapfer durchgebissen und dafür gebührt ihm doch auch ein gewisser Respekt. Ihm jedenfalls scheint es gefallen zu haben, hat er uns doch sein Erscheinen für kommenden Samstag bereits angedroht.

Strecke 64 km, 638 hm.