Samschdigstour

16.10.2021 13:00 Uhr
Dorfplatz
tourensport rennvelo

Wetter
Schön bis 15°C
Strecke
Ca. 85 Km / 500 Hm
Route
Riehen - Kembs Loechle - Märkt - Istein - Schliengen - Kandern - Binzen - Riehen
Leitung
Hanspeter

29. & 30. Samschtigstour 09.10.21 & 16.10.21 – Zwischen Arbeit und Baustelle…

Von Hanspeter Brack / Fotos André Fürbringer

… ist es manchmal nicht so einfach auch noch Berichte zu Verfassen. Vor allem wenn es zu Komplikationen wie bei unserem Projekt Erdsondenheizung kommt, kann die Kapazität schon mal nicht mehr ausreichen. Aber Ende gut (fast) alles gut, die Heizung läuft. Alle bösen Mails an Luci waren deshalb unberechtigt.

Nun aber zum Geschehen. Am 09.10.21 lockte das schöne Wetter nochmals zu einer längeren Ausfahrt nahe der 100 Km Grenze. Ausgeschrieben war nochmals eine Fahrt über die östlichste Gemeinde das Baselbiets Anwil. Wie heisst es so schön im Baselbieter Lied « mer wei luege», in unserem Fall wer sich das nochmals antun will; Ganz Viele. Um es genau zu nehmen Zehn – André, Hansjörg, Harald, Ed, Kumar, der sich schon zu Beginn ein grosses Stück des Weges sparte indem er an der Kilchgrundstrasse auf uns wartete, Martin & Martin, Volker, Bruno und Hanspeter. Im Gegensatz zum letzten Mal, als Anwil via Oltingen angefahren wurde, wurde für dieses Mal der direkte Weg über Rothenfluh, mit dem kurzen aber ruppigen Aufstieg, gewählt. Bis zu diesem Aufstieg hiess es, wie die Italiener so schön sagen, gruppo completo. Damit ist in Wirklichkeit ereignislos und langweilig gemeint, sieht man vom stattlichen Schnitt, der zu diesem Zeitpunkt unsere Tachos zierte ab, war es das auch. Allerding im durchaus positiven Sinn, kein Ärger, keine hupenden Automobilisten, keine Defekte. Alles genauso wie man es gerne immer hätte. Einzig die kühle Bise hätte einem warmen Föhn weichen und auch mal von hinten kommen können dürfen. Etwas zu jammern findet man doch immer, wenn auch auf hohem Niveau.

Wie gewohnt fuhr in diesem einzigen nennenswerten Aufstieg jeder sein Tempo. Da aber jeder am Ende dieser Saison noch auf eine beachtliche Form zurückgreifen konnte, fielen die Abstände sehr moderat aus. Vielleicht verlieh das Wissen um die kommende Tempobolzerei, bis Frick auf leicht abfallendem Gelände, einigen auch Flügel. Damit ist es bereits vorweggenommen, es folgte ab Kienberg das bereits obligate Mannschaftszeitfahren. Einreihen, Kopf runter, Hinterrad halten und für zehn Kilometer höchste Konzentration.

Normalerweise ist danach das Kind im Manne wieder zufriedengestellt und der Affe gezähmt. Bis kurz nach Eiken schien das auch für dieses Mal genauso zu laufen. Tja wäre da nicht dieser andere Velofahrer gewesen der keck «Achtung hinten» rufend links an uns vorbeizog. Als sein Vorsprung bereits um die 400 Meter betrug erwachte auch der Affe in uns zu neuem Leben. André setzte als erster nach um dann doch wieder auf uns zu warten. Für unseren Herausforderer nochmals Gelegenheit seinen Vorsprung auszubauen. Nun erwachte auch in meinem Inneren der Ehrgeiz und verleitete mich meinerseits zum Nachsetzen. Als ich beinahe dran war, knallte mit einem noch nie gesehenen Energieschub Hansjörg an mir vorbei. Im Gegensatz zur Verfolgergruppe in der parallel laufenden Lombardeirundfahrt waren wir uns nun einig und neutralisierten diesen Angriff eingangs Mumpf endgültig.

Zeit zur Bestandesaufnahme, zwei fehlten. Martin W. hatte uns ausgetrickst und den offenbar kürzeren Weg untenrum dem Rhein entlang gewählt. Auf mirakulöse Weise erreichte er die Anhöhe zwischen Wallbach und Möhlin nämlich vor uns und erwartete uns bereits. Ob das mit rechten Dingen zugegangen war bleibt wohl für immer ein Rätsel. Kumar hingegen konnte das Tempo nicht halten und meinte nach kurzem Anruf er kenne den Weg nach Basel und wir sollen zufahren.

Es war ein würdiger Abschluss der langen Ausfahrten bei dem nochmals so richtig die Post abging und so ganz nebenbei wurde bei dieser Ausfahrt die Kilometerleistung des Vorjahres überboten.

Ein völlig anderes Profil zeigte die Tour vom 16.10.21. Mit einem kurzen Abstecher ins Elsass gefolgt von einem Wechsel in Badische war eine richtige Regiotour ausgeschrieben. Mit jedem Grad welches es nun in Zukunft kühler werden wird sinken erfahrungsgemäss auch die Teilnehmerzahlen. Umso erfreulicher, dass mit André, Gianni, Ed, Pascal, Volker, Bruno, Martin und mir selbst wiederum acht Teilnehmer den Weg zum Treffpunkt fanden. Von der kurzen über die ¾ bis zur langen Hose war alles vertreten. Damit ist auch alles zur Witterung gesagt. Schönster Sonnenschein, irgendwo zwischen noch warm und schon kühl.

Bei Gegenwind führte das erste Teilstück vorbei an Rosanöi bis Kembs Löchle wo mit einer Spitzkehre zum Kraftwerk gewendet wurde um wieder gut neun Kilometer rheinaufwärts nach Märkt zu fahren. Wer kommt denn auf so eine Schnapsidee. Gut, man will halt auch mal Rückenwind haben. Genau dort wo sich der Rhein in Rhein und Grand canal d’Alsace teilt wechselten wir in die badische Hügellandschaft. Ein erneuter Richtungswechsel führte uns nun wieder Rheinabwärts. Diese Variante kannte Bruno noch nicht. Efringen – Istein – Bamlach - Bad Bellingen – Schliengen hiessen die folgenden Dörfer.

Bei Schliengen war ein erneuter Richtungswechsel angesagt. Via Liel, der Name stammt vom keltischen Liela und bedeutet der Ort wo viele Weinstöcke stehen und die stehen auch heute noch, führte die Ausfahrt über die letzten zwei Hügel nach Kandern. Kandern, noch bis vor einigen Jahren bekannt für seine Tonziegelfabrik, entstand vermutlich bereits in vorgeschichtlicher Zeit genau wegen der für die Ziegel benötigten Tonvorkommen. Heute erinnert nur noch ein Museum an die Herstellung der Tonwaren. Auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik entstanden inzwischen Wohnungen. Lediglich ein kleines Backsteinhäuschen ist als verschämter Zeitzeuge noch übriggeblieben.

All Dies liessen wir unbeachtet links liegen um rechts auf den Veloweg durchs Kandertal abzubiegen. Auf nahezu eigenem Weg, vorwiegend Velofahrern und Bauern vorbehaltenem, kann man in der Regel stressfrei bis Binzen durchfahren. Aber genau so ein Bauer musste an diesem ansonsten friedlichen Tag dann doch noch für etwas Unruhe sorgen. Mit seinem Gefährt, welches die gesamte Strassenbreite einnahm, kam er uns ziemlich provokant entgegen und machte keinerlei Anstalten ausweichen zu wollen. Zu Zeiten von Raumschiff Enterprise hätten wie uns auf die andere Seit beamen lassen können, da das aber keine Option war, blieb ihm am Schluss doch nichts anderes übrig als anzuhalten damit wir uns irgendwie an ihm vorbeiquetschen konnten.

Im Sportplatzrestaurant Binzen genossen wir zum Abschluss die letzten Sonnenstrahlen bevor wir uns Richtung warme Dusche verabschiedeten.